Domaingrabbing
Wie wir unsere alte Domain verloren haben.
Hier erzählen wir Euch, was mit unserer alten Domain passiert ist und erzählen unsere Geschichte als Warnung an alle, die entweder schon eine Website verwalten, oder dies vorhaben.
Unsere alte Domain war www.esg-chor-heidelberg.de
Wir haben den Anbieter gewechselt, um einen dieser tollen Hompage-Baukästen zur Verfügung zu haben, um nicht mehr auf Kenntnisse in html oder auf teure Software angewiesen zu sein. Bei der Kündigung des alten Vertrages hatten wir die Wahl, einen Domain-Umzug zu beantragen oder die Domain löschen (d.h. freigeben) zu lassen. Ein Domain-Umzug schien uns zu kompliziert, wir entschlossen uns die Domain freigeben zu lassen, im Glauben, wir könnten sie, sobald der alte Vertrag abgelaufen war, sofort wieder durch unseren neuen Anbieter bestellen. Das Bestellen hat dann auch tatsächlich geklappt, doch am nächsten Tag bekamen wir eine Mail, dass der Anbieter die Domain doch nicht mehr bekommen konnte. Innerhalb der Zeit, die der Anbieter gebraucht hat unsere Bestellung auszuführen, ist uns also jemand dazwischen gekommen und hatte sich unsere freie Domain geschnappt.
Wenig später konnten wir auch sehen wer der neue Inhaber unserer Domain war: Eine Firma namens
GUIDANCE INTERNATIONAL IP AB
Leopoldstrasse 244
80807 München
DE
Als wir merkten, dass es Schwierigkeiten gibt, haben wir sofort erstmal eine vergleichbare Domain bestellt, die wir dann auch tatsächlich bekommen haben, diese hier. Zu diesem Zeitpunkt hofften wir noch auf einen Fehler, denn wir waren uns ja sicher, dass unser Plan aufgehen würde: Wer interessiert sich schon für so eine komische Domain wie unsere? Erstens weiß nur ein Bruchteil der Welt, was die Abkürzung ESG eigentlich bedeutet (nämlich Evangelische Studierendengemeinde), und zweitens gibt es nur einen ESG-Chor Heidelberg. Doch das war völlige Naivität, wie sich ziemlich schnell herausstellte. Nach einigen Nachforschungen über oben genannte Firma und dem Thema "Domaingrabbing" im Allgemeinen wurde uns das ganze Ausmaß der Katastrophe schlagartig klar: Es gibt ziemlich viele Firmen, wie die oben genannte, die ihr Leben damit verbringen, sich frei werdende Domains zu sichern und neu zu registrieren, oder sich Domainnamen auszudenken, von denen sie sich erhoffen, dass sie von irgendjemandem irgendwann einmal gebraucht werden. Erfolgreich sind diese Firmen wahrscheinlich durch hoch entwickelte Software, die freiwerdende Domains automatisch in Sekundenschnelle erkennt und diese dann auch automatisch sofort neu registriert. Diese Domains füllen sie dann entweder mit Werbung, wie mit unserer Domain geschehen, mit der sie Geld verdienen, weil die Domain vorher einigermaßen viele Klicks bekommen hat, oder sie versteigern oder verkaufen die Domains. An diesem Handel sind dann wiederum andere Firmen beteiligt, die sich darauf spezialisiert haben, in solchen Geschäften zu vermitteln und dafür wiederum Geld verdienen.
Um ehrlich zu sein: Wir haben die Welt nicht mehr verstanden! Mit so etwas hatten wir nicht gerechnet. Gezwungen zu sein auf eine neue Domain umzuziehen, darauf zu warten, dass Google sie überhaupt erstmal in den Index aufnimmt (ein Prozess, der sehr lange dauern kann, wenn die Seite noch nicht durch andere Seiten verlinkt ist), und dann zu sehen, dass die alte Domain immer noch auf den ersten Plätzen gelistet wird und die neue Domain nur dahinter, ist eine frustrierende Erfahrung und hat Konsequenzen: An unserer Website hängen ja neue Sängerinnen und Sänger und viele Konzertbesucher.
Natürlich liegt die Schuld für die Misere allein bei uns: Freigewordene Domains sind frei und können von egal wem völlig legal neu registriert werden.
Beim nächsten Providerwechsel werden wir vorsichtiger sein, denn noch schlimmer als unsere alte Domain verloren zu haben, ist die Vorstellung, das könnte uns jetzt auch mit unserer neuen Domain passieren, dann gibt es irgendwann gar keine Domain mit unserem Namen mehr.
Inzwischen haben wir auch herausgefunden, wie man bei einem Providerwechsel vogehen muss:
1. Eine längere Zeit einplanen, in der man bei beiden Providern unter Vertrag steht.
2. Die Domain über den neuen Provider registrieren, man bekommt dann automatisch von dem neuen Provider das Angebot eines Domainumzugs (da die Domain ja noch bei dem alten Provider registriert ist).
3. Die Anweisungen für den Domainumzug des neuen Providers befolgen (beinhaltet ein Online-Formular und das Ausfüllen eines Faxvordrucks).
4. Den ausgefüllten Faxvordruck an den neuen Provider schicken, alles andere übernimmt dann der neue Provider.
Zu allen Fragen hilft die zentrale Registrierungsstelle von .de-Domains weiter: www.denic.de
Man kann sich über den denicdirect-Service auch bei einem Providerwechsel begleiten lassen, das wäre eventuell zu überlegen, denn unsere Recherchen haben ergeben, dass ein Providerwechsel auch nicht unbedingt zu 100% sicher ist, Domains verschwanden auch durchaus auf mysteriösem Wege.
Außerdem prüfen wir gerade, ob wir eventuell bei der Denic einen Dispute einreichen können und auf unser Namensrecht verweisen können. Die Denic zwingt dabei den neuen Domaininhaber sich mit der Rechtslage auseinanderzusetzen und ggf. einen Rechtsstreit einzugehen. Solche Verfahren sind im Allgemeinen erfolgreich, dauern aber sehr lange.
Hilfreich für die Registrierung und das Listing einer Website bei Google ist übrigens: http://www.google.de/intl/de/webmasters
(Wenn Ihr mit einem Baukasten arbeitet und Eure Website bei Google überprüfen lassen müsst, um Sitemaps einzureichen u.ä., und dazu eine html-Datei auf Euren Server laden müsst, schaut in den Funktionen Eures Paketes nach der Option "Webspace verwalten". Wenn es diese oder eine vergleichbare nicht gibt, müsst Ihr Euch einen FTP-Zugang einrichten, um an den Content eures Servers heranzukommen. Einen Meta-Tag einzurichten ist nach unserer Erfahrung nicht möglich, da man mit einem Baukasten nicht an den Quellcode der Seite herankommt, und es nichts bringt, den Google-Code bei den Suchbegriffen einzutragen, da er dann in den Quellcode durch das Programm verändert eingeschrieben wird.)
Allen unser tiefes Mitgefühl, denen es ähnlich geht wie uns, und allen anderen eine ernstgemeinte Warnung: Macht es besser als wir!